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Ein treuer Gefährte aus Studienzeiten

Mein Fiat 500 - eine Geschichte von Georg Csapo

Im Jahr 1974 – 1 Jahr nach dem Jom Kippur Krieg und der weltweiten Erdölkrise – lernte ich meine zukünftige Frau Helene kennen. Wir waren glücklich wie nur Frischverliebte glücklich sein können, genossen das Zusammensein und verbrachten unsere Freizeit mit zahlreichen Ausfahrten in meinem feuerroten Puch 500. Die „rote Molly“, so hieß das 20 PS starke Gefährt, war im Prinzip ein Fiat 500, jedoch mit einem österreichischen 500ccm luftgekühlten Boxermotor der Firma Steyr Puch ausgestattet. Helene versuchte ihr Glück gelegentlich als Pilotin des kleinen Boliden, allein das Schalten mit dem teil-synchronisierten Getriebe verursachte mitunter ein unwirsches Krachen und synchrone Kontraktionen sämtlicher Muskelpartien des Beifahrers.

Die Familie sollte sich vergrößern und schweren Herzens trennte ich mich 1975 von „Molly“ um ein „normales“ Automobil zu erstehen. Die Sehnsucht nach dem treuen Gefährten meiner Studienjahre ließ mich auch in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr los, immer wiederkehrende Träume, in denen ich den kleinen Puch bei einem Händler scheinbar unversehrt vorfand, lösten ein Glücksgefühl aus, welches erst mit der Morgendämmerung langsam verblaßte.

Mein Fiat 500 - eine Geschichte von Georg Csapo

Es war dieser stets wiederkehrende Traum, der mich eines Morgens um 3 Uhr aus dem Bett und vor den Computer trieb, nach stundenlanger Suche wurde ich bei einem Händler in der Nähe von Heidelberg fündig: ein voll restaurierter korallroter Fiat 500 wartete auf einen neuen Besitzer. Die Stunden schlichen mit quälender Langsamkeit bis zur Geschäftseröffnung hin und schon am gleichen Vormittag war das Geschäft abgeschlossen. Ich muss zugeben: ich war garantiert der lausigste Verhandlungspartner mit dem der Händler es je zu tun hatte. Aber was soll’s, der Fiat war mein. Seitdem sind wir ein unzertrennliches Paar.

Mein Fiat 500 - eine Geschichte von Georg Csapo