Scheunenfund in Neuseeland: Wie ein seltener Fiat 500 N in sein „zweites Leben“ startet
Die Wiederentdeckung eines kleinen 500ers
Der Fiat 500 hatte in Neuseeland, tausende Kilometer entfernt von seiner italienischen Heimat, von Anfang an eine recht abenteuerliche Geschichte. Die meisten der kleinen 500er kamen in Einzelteilen geliefert nach einer langen Seereise in Neuseeland an und wurden dort dann zusammengebaut. Nur wenige Exemplare waren bereits vormontiert und wurden in der Regel von Privatpersonen importiert. Nun ist, wie uns unser Freund Todd Niall*** berichtete, „einer der allerersten Fiat 500, die in Neuseeland ankamen, nach jahrzehntelanger Lagerung wieder aufgetaucht und blickt einer neuen Zukunft entgegen.“
Der kleine 500 N (Baujahr 1959) sei laut Todd einer von 30 vollständig montierten Fiat 500 gewesen, die im Juli 1959 Auckland auf dem Seeweg ankamen: „Er trägt noch immer den Aufkleber von Campbell Motors, dem damaligen Auckland-Importeur von Fiat-Fahrzeugen.“ Todd schilderte uns die Geschichte dieses seltenen Exemplars: „Der 1959er Nuova wurde später von dem 500er-Enthusiasten, dem verstorbenen Bruce Bruton, gekauft und rund 40 Jahre lang eingelagert, bevor er von seiner Tochter wiederentdeckt wurde.“

Abgestellt im Schuppen: so verbrachte der kleine Fiat 500 N 40 Jahre. Foto bereitgestellt von Todd Niall.
Bruce Bruton starb Ende 2024, aber seine vier Kinder hatten kein Interesse an seiner stolzen Sammlung an Autos, Karosserien, Ersatzteilen und Motoren. Nur für das Schicksal des kleinen Fiat 500 konnte sich seine Tochter, die mittlerweile in London lebt, erwärmen. Unser Freund Alfonso Zambuto beschrieb uns, wie sie sich mit ihm und Todd im letzten Jahr traf und den beiden sagte, ihr wäre es egal, was mit den anderen Autos und Teilen geschehe. Nur der „Nuova Cinquencento“ müsse unbedingt gerettet werden – weshalb sie alles daran setzte, den 500er als Teil ihres Erbes zu bekommen.
„Am Montag ging ich schließlich mit meinem Sohn Luca zu dem Haus und holte es aus seinem schwarzen Loch heraus“, erzählte Alfonso.

Der Fiat 500 N wird von Alfonso per Hänger abtransportiert. Foto bereitgestellt von Alfonso Zambuto.
„Das Auto ist größtenteils komplett, hat aber einen D-Motor, also machte ich mich auf die Suche nach allem, was zu dem Auto gehörte, und fand den Originalmotor und das Originalgetriebe. Ich hatte meine Hausaufgaben gemacht und war mit der Original-Motornummer gewappnet.“ Denn glücklicherweise hatte Alfonso eine Liste der Fahrgestellnummern und Motornummern der Fahrzeuge, die damals auf dem Transport nach Auckland dabei waren: „Oben links sehen Sie, dass sie am 1. Juli 1959 ankamen (Sumbawa ist der Name des Schiffes), daher wäre es naheliegend, dass alle diese Autos Anfang 1959 gebaut wurden“, erklärte er uns. „Interessant ist, dass die Fahrgestellnummern in kleinen Gruppen fortlaufend sind. Dieser Nuova hat die Fahrgestellnummer 90425. Hier habe ich die ursprüngliche Motornummer gefunden.“ Die zugehörige Motornummer war also die 111978.

Liste der Fiat 500, die bereits vollständig montiert am 1. Juli 1959 in Auckland ankamen (unser kleiner 500 N ist der sechste von oben). Foto bereitgestellt von Todd Niall.
Doch damit endete die Geschichte noch nicht, denn nun stellte sich die Frage nach der Zukunft des Fiat 500 N. Alfonso schrieb der Eigentümerin eine E-Mail und bekam auf seine Frage, was nun mit dem 500er geschehen solle, die knappe Antwort: „Jetzt ist er gerettet, also behalte ihn.“ Seitdem lagert er nun also in einem Bauernhof bei Auckland und wartet darauf, wieder Straßenbelag unter den Reifen zu spüren zu bekommen.
Über Bruce Bruton berichtete Todd übrigens schon in seinem Buch „Bambina - The Fiat 500 in New Zealand“ auf Seite 103 (das Buch ist hier in unserem Online-Shop in englischer bzw. italienischer Sprache zu finden!).

Quelle: "Bambina - The Fiat 500 in New Zealand" von Todd Niall
Dass der „Nuova“ ein kurzes Verdeck hat ist übrigens kein „Fehler“, denn Fiat produzierte ab 1958 tatsächlich auch einige N-Versionen mit dem Verdeck des Nachfolgemodells Fiat 500 D. „Soweit ich weiß, hatten alle nach Neuseeland gelieferten Nuova-Modelle das gleiche kurze Sonnendach vom Typ D“, meinte Alfonso und Todd ergänzte: „Lieferungen von N- und später D-Maschinen trafen in geringen Stückzahlen in den Jahren 1959 und 1960 ein, bis Neuseeland mit der lokalen Montage der 500 D aus Turin gelieferten Bausätzen begann. Bis Ende 1969 wurden im Montagewerk in Auckland rund 5.000 Maschinen des Typs 500 gebaut.“

Fabrik, in der die Fiat 500 aus den gelieferten Bausätzen fertig montiert wurden. Foto bereitgestellt von Todd Niall.
*** Todd Niall ist ein preisgekrönter neuseeländischer Radiomoderator und Fiat 500-Enthusiast.