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­Geschichte des Fiat 126

Er hat viel erlebt in den drei Jahrzehnten seiner Produktion zwischen 1972 und 2000, der kleine Italo-Pole: In den 1970er Jahren zu Zeiten der ersten Serie des Fiat 126 waren es Ölkrisen, Annäherungsbestrebungen zwischen Ost und West, Punk, die Disco-Welle, Langhaarfrisuren, Schlaghosen und Lavalampen. In den 1980er Jahren begleiteten ihn Super Mario und andere 8-Bit-Helden, Tschernobyl, die ersten Space Shuttles, der C64, die VHS und der Vokuhila. Die 1990er wiederum erlebten nicht nur den ersten Fiat 126 mit Katalysator, sondern auch die Deutsche Wiedervereinigung, das Klonschaf Dolly, der Beginn der digitalen Revolution, Baywatch, Techno und die Mystery-Welle. Es war eine lange Zeit des Wandels; und am Ende war nichts mehr so, wie noch am Anfang: Europa war in Frieden geeint, hatte eine gemeinsame Währung und gemeinsame Werte. Die Blockkonfrontation zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt hatte man überwinden können und die Menschen sahen am 22. September 2000, als die Produktion des Fiat 126 schließlich eingestellt wurde, einer Zukunft in Wachstum und Fortschritt entgegen.

Fiat 126-1

Von all dem hatte man nichts ahnen können, als der italienische Designer Pio Manzù 1968 mitten im Kalten Krieg von Fiat den Auftrag erhielt, ein „City Taxi“, ein echtes Stadtauto zu designen, das dem populären Fiat 500 als Premium-Kleinwagen der Haus-Marke folgen sollte. Das eigentliche Projekt „City-Taxi“ führte man dann später zwar nicht fort, die Grundlinien von Manzùs Vorschlag wurden allerdings von anderen italienischen und polnischen Entwicklern weiterentwickelt, bis man schließlich den Fiat 126 entwarf, so wie wir ihn heute kennen: kompakt, wendig und klein mit einem geringen Eigengewicht, einem nahezu lächerlichen Benzinverbrauch von knapp mehr als 5 Litern auf 100 Kilometern (lt. Fiat-Werksangaben) – und das als Stadtauto! Daneben bot er trotz seiner geringen Länge genügend Platz im Innenraum für vier Fahrgäste – was wollte man als Stadtbewohner der 1970er Jahre mehr?

Fiat 126 & Fiat 500

Noch heute ist es Kult, wenn man in seinem Fiat 126 sitzt, den Choke einstellt, den Anlasserzug zieht und dann das Rattern und Wummern des Motors im kompletten Innenraum hört, das die Fenster vibrieren lässt. Welcher Fiat 126-Fahrer kennt die verängstigten Blicke unbedarfter und unkundiger Fahrgäste nicht, die bei all dem Lärm in jedem Moment mit einer Explosion des Motors rechnen? Es ist eines dieser vielen stillen Vergnügen, die ein Fiat 126-Fahrer heutzutage ganz leise mit sich trägt – und auch wenn man sich im Freundeskreis wohl manchmal fragen mag, ob man sich anstelle des alten Fiat 126 nicht besser einen billigen Gebrauchtwagen zugelegt hätte: zumindest einen Parkplatz findet man mit seinem Fiat 126 in jeder (Groß-)Stadt und das Fahren macht nun einmal auch extrem viel Spaß!

Fiat 126-2

1972, im Jahr seiner Initiation war der Fiat 126 nur optisch eine Weiterentwicklung des Fiat 500. Die rundlichen Formen waren verschwunden, dafür dominierten die, der Formsprache der 1970er/80er Jahre zeitgemäßeren Ecken und Kanten das Erscheinungsbild. Technisch hingegen blieb Fiat seiner Linie treu, setzte auf einen Heckantrieb, die Integration des luftgekühlten Zweizylinder-Ottomotors des Fiat 500 R mit seinen 600 ccm Hubraum und einer Leistung von 17 kW (23 PS) bei 4800/min. Auch das Fahrwerk entsprach jenem des Fiat 500, ebenso die Bremsen und zahlreiche weitere Einzelelemente.

Fiat 126-squared

Erst mit der zweiten Serie, die ab 1976 produziert wurde, stellte Fiat auf einen 650 ccm-Motor mit 17,7 kW (24 PS) um und bot weitere Modifikationen, u.a. am Lochkreis der Bremstrommeln. 1987 folgte der wassergekühlte Fiat 126 BIS mit einem 19 kW (26 PS)-Motor und knapp 700 ccm Hubraum sowie einer fortschrittlicheren Zahnstangenlenkung, dessen Produktion aber bereits 1991 wegen schlechter Verkaufszahlen und technischer Probleme, u.a. einer zu schnellen Überhitzung des Motors und zu hoher Abgaswerte, wieder eingestellt wurde.

Fiat 126-BIS-2

Fiat 126 BIS-2

So wie beim Fiat 500, so gibt es auch zahlreiche Fiat 126-Derivate, die allerdings, vor allem im Vergleich mit jenen seines prominenten Vorgängers, wohl selbst nur den wenigsten Fiat (126)-Freunden bekannt sein dürften. An dieser Stelle möchten wir an einige, wenn auch sicher nicht alle von ihnen erinnern.

Den Anfang machte bereits kurz nach Markteinführung des Fiat 126 der sogenannte „Figo“, eine Kombination von Fiat 126-Karrosserie mit dem Motor eines Goggomobils. Mit seinen 10 kW (13,6 PS) bei 250 ccm Hubraum durfte dieses Fahrzeug in Deutschland auch mit der, eigentlich nur kleineren Krafträdern zugedachten und bis 1954 ausgestellten Führerscheinklasse IV ohne Auflage gefahren werden.

Figo

In Deutschland gab es daneben ab Ende der 1970er Jahre eine eigene Variante des italienischen Fiat 126 Personal 4: er brachte dem 126er schließlich im deutschen Sprachraum seinen Spitznamen „Bambino“ ein und wies einen modifizierten Motor, einen eckigen statt runden Zylinderkopf samt dazu passender Verblechung, seitliche Gummischutzleisten, Kunststoff-Stoßstangen und ab 1984 Rückfahrleuchten und Nebelschlussleuchten auf.

Fiat 126 Personal 4

Fiat selbst sorgte wiederum mit seiner Fiat 126 Red, Brown, Black und der sehr seltenen Silver-Edition mit grün getönten Scheiben und teilweise grauen Zierleisten für eine optische Bereicherung des Straßenlebens.

In Polen übernahm FSM aus Bielsko-Biala ab 1973 die Fertigung des Fiat 126 in Lizenz. Der hier vom Stapel gelaufene Fiat 126P bekam in Polen schnell den Spitznamen „Maluch“ („Kleiner“) und erreichte rasch einen vergleichbaren Stellenwert als echter Volkswagen wie der VW Käfer in Deutschland oder der Citroën 2CV in Frankreich. Ab 1994 bis zum Ende seiner Produktion im Jahr 2000 hielt Polen als Produzent des letzten Fiat 126-Modells, des Fiat 126 ELX, der über einen serienmäßigen Katalysator verfügte und schließlich sogar den Fiat Cinquecento, seinen eigenen Nachfolger überlebte, als letztes die Fiat 126-Fahne hoch.

Fiat 126p

In Jugoslawien wurden ab Sommer 1987 Fiat 126-Derivate als „Peglica“ („Bügeleisen“) mit wassergekühltem Zweizylinder-Motor mit nach rechts liegenden Zylindern gebaut. Des Weiteren entstand noch eine Cabriolet-Variante ab 1989, wobei es sich um einen Umbau der Firma POP mit den Bezeichnungen Pop 650 und Pop 2000 handelte, die auch mit Elektroantrieb lieferbar waren.

Fiat 126 Cabrio

Kurzlebend war dagegen der Steyr Puch 126. Mit seinem Steyr Puch-Motor ausgestattet und mit 643 cm³ Hubraum, 18 kW (25 PS) bei 4800/min erreichte der Alpenflitzer eine Höchstgeschwindigkeit von 117 km/h anstelle der üblichen 105 km/h des Standard-126er. Wegen geringer Nachfrage wurde dieses Derivat allerdings trotz deutlich besserer Leistung bereits Ende 1975 nach knapp mehr als 2.000 Stück eingestellt.

Noch weniger Exemplare entstanden vom Fiat 126-Cabrio der Firma Bosmal aus Polen. Hier gingen zwischen 1991 und 1995 laut Werksangaben lediglich 507 Stück über den Ladentisch – nicht einmal eine Promille im Vergleich zu den insgesamt 3,5 Millionen Fiat 126, die zwischen 1972 und 2000 hergestellt wurden.

Noch geringere Stückzahlen gab es nur noch bei zwei weiteren Sondermodellen, die jedoch auch nie in Serienfertigung gingen: der Fiat 126 „Bombel“ - ein Pick-up mit Plastik-Hardtop von 1974, der über den Status eines Prototypen ebenso wenig hinauskam wie der Fiat 126 Kombi, der in Anlehnung an den Fiat 500 Giardiniera entwickelt wurde und über einen um 100 mm verlängerten Radstand und einen um 70 mm verlängerten hinteren Überhang verfügte. Dem Fiat 126 Kombi, sicher eines der interessantesten Derivate, wurden u.a. auch die politischen Unruhen im Polen der frühen 1980er Jahre zum Verhängnis. Nach Ausrufung des Kriegsrechts in Polen 1981 stand die Aufnahme der Serienproduktion zu keinem Zeitpunkt mehr auf der Agenda.

Fiat 126 Bombel

Fiat 126-3

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