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Von Rom nach Ad-Dahkla in der Westsahara in einem Fiat 500

Gianluca Fiorentini, ein italienischer Redakteur und Fiat 500-Enthusiast war uns bereits 2011 mit seiner Tour Rom-Istanbul und seinen interessanten Reportagen von seiner Reise über Ex-Jugoslawien, die historischen Stätten des Bosporus und über Griechenland zurück nach Rom ausführliche Berichte wert. Doch dieses Mal hat sich Gianluca ein größeres Ziel gesetzt: Dakhla in der Westsahara.

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Gianluca fährt wieder!

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Am 23.Mai 2013 beginnt das Abenteuer für Gianluca. Der erste Abschnitt der Reise führt von Rom aus über Barcelona und Valencia nach Almeria. Von dort geht es per Fähre über das Mittelmeer. Auf Afrika hat sich Gianluca gut vorbereitet: Neben der gewissenhaften technischen Überprüfung des Fiat 500 wurde die Belüftung des Motors modifiziert um den hohen Temperaturen in der Sahara zu trotzen. Auch für seine Sicherheit hat er mit einfachen, aber effektiven Mittel gesorgt.

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Nach der Ankunft auf dem afrikanischen Kontinent geht es sofort ins geschäftige Treiben marokkanischer Innenstädte. Der kleine 500er ist wie geschaffen für die engen Gassen und überfüllten Marktplätzte. Trotzdem verzögert sich die Weiterfahrt für Gianluca kurz, da die einheimischen Behörden auf einer zusätzlich abgeschlossenen Autoversicherung bestehen.

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Von Oujda an der algerischen Grenze geht die Fahrt Richtung Westen. Sie führt durch sehr dünn besiedeltes Gebiet; Straßen und Autobahnen sind menschenleer und fast ohne Verkehr. Nur ganz selten kommt ihm jemand entgegen. Je weiter er ins marokkanische Hinterland gelangt, desto schmaler werden die Straßen und auch die Temperaturen steigen.

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Anfang Juni erreicht Gianluca die Gegend um die Stadt Quarzazarte. Das Thermometer erreicht tagsüber bis zu 37°C (im nicht vorhandenen Schatten). Das setzt sowohl dem Fahrer als auch dem Auto zu. Immer wieder müssen Pausen von bis zu einer dreiviertel Stunde gemacht werden, damit der Motor abkühlen kann. Deshalb wird aus einer Tagesetappe von etwa 300km auch gerne einmal ein acht Stunden Tripp.

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Die Landschaft, die auf diesem Teil der Reise von Gianluca durchfahren wird, ist sowohl atemberaubend schön als auch, auf Grund ihrer Weite und Leere, etwas beängstigend. Je nach Tageszeit und Sonneneinstrahlung schimmert die rauhe Steinwüste in den verschiedensten Braun- und Beigetönen. Ein besonderes Highlight war sicher die Fahrt durch die Schlucht von Todra, etwa 100km östlich von Marrakech (Siehe Video 1, Video 2, Video 3).

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In den Städten erregt der kleine Fiat durchaus Aufmerksamkeit. Gianluca wurden u.a. bereits ein Kamel, ein Dromedar oder ein Motorrad zum Tausch angeboten, aber er bleibt seinem Begleiter natürlich weiterhin treu.

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Die nächsten Etappen führen durch das bergige Hinterland Marokkos über die Städte Trafrout und Tiznit bis an die Atlantikküste. Die immer noch sehr hohen Temperaturen und extrem schlechte Berg- und Passstraßen machen Gianluca und dem Fiat 500 schwer zu schaffen.

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Erschöpft aber glücklich erreicht Gianluca, nach der langen und mühsamen Fahrt durch die Berge, am Abend des 7.Juni den Ort Tan Tan Plage an der marokkanischen Atlantikküste. Während der Fiat weiterhin ein beliebtes Fotomotiv der Einheimischen ist, kann sein Fahrer im Licht der untergehenden Sonne seinen Blick über die weiten, leeren Sandstrände schweifen lassen.

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Eigentlich sollte von hier aus das letzte Stück der Reise, durch die Sandwüsten der Westsahara nach Ad-Dakhla, in Angriff genommen werden. Nach hartem Ringen mit sich selbst entscheidet sich Gianluca aber dazu, darauf zu verzichten. Die bewohnten Gebiete auf diesem Teilstück liegen extrem weit auseinander und er verfügt über kein Satellitentelefon. Im Falle einer Panne sind so gefährliche Situationen nicht auszuschließen.

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Gianluca fährt wieder - trotz Problemen mit der Antriebswelle!

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Auf der Weiterfahrt nach Norden in Richtung Marrakesch muss dann auch den Belastungen der letzten Tage Tribut gezollt werden. Die Antriebswelle des Fiat 500 bricht. Eigentlich ist das kein Problem, denn Dank der Firma Gerstl ist Gianluca mit einer Ersatzwelle ausgestattet. Leider weiß aber in der örtlichen "Werkstatt" niemand wie man sie einbaut und so entscheidet man sich kurzerhand dazu, die alte Antriebswelle wieder zusammenzuschweißen.

In dieser Weise versorgt, erreicht er am 14.Juni die marrokanische Metropole Marrakesch mit seinen überfüllten Gassen und seiner prächtigen Architektur.

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Das nächste Etappenziel ist die Hauptstadt Rabat. Gianluca muss seinen Aufenthalt hier unfreiwillig etwas verlängern, denn nach etwas Sightseeing bricht die geschweißte Antriebswelle erneut. Die eiligst herbeigerufenen Mechaniker behaupteten zwar: „No problem! No problem!“ Aber auch sie scheiterten an der technischen Herausforderung. Erst nach einer fünfstündigen Reparatur unter Gianlucas Anleitung ist die Antriebswelle endlich gewechselt und der 500er bereit für die Weiterfahrt. Eine Weiterfahrt die ihn durch Tanger, über die Fähre nach Malaga, und anschließend über Almeria, Valencia und Barcelona seiner italienischen Heimat näher bringen wird.

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Gianluca ist wieder daheim und wird zum Dichter!

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Eine lange Reise voller Abenteuer liegt hinter ihm, als Gianluca müde, aber zufrieden, nach Rom zurückkehrt. Viele interessante Orte hat er in diesen sechs Wochen besucht, durfte schöne, felsige Wüstenlandschaften bewundern und in den Städten und Dörfern die Bekanntschaft von vielen spannenden Menschen machen.

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Vor allem die Innenstadt von Sefrou, einem kleinen Dorf an den Ausläufern des Atlasgebirges hat es ihm besonders angetan. Bei dem Gedanken an die schönen, exotischen Häuser, an die engen Gassen und den kleinen Fluss, der die Siedlung durchschneidet, gerät er auch Tage später noch ins Schwärmen. Denn hier, wie fast überall in Marokko, ist diese ganz spezielle Atmosphäre zu spüren. Eine Atmosphäre, die schon viele Schriftsteller zu poetischen Texten inspiriert hat und auch ihn zum Dichter werden lässt, wenn er beispielsweise die marokkanische Hauptstadt Rabat beschreibt:
„Ich erinnere mich an die intensive Betriebsamkeit der Fischer im Hafen am Morgen, an die schöne Innenstadt, durchdrungen von dem angenehmen Geruch der Thuja-Hölzer; an die schönen, alten Befestigungsanlagen, gepeitscht vom Wind, gepeitscht von den Wellen des Ozeans. Und ich erinnere mich an den feinen Sand an den Küsten, der am Abend verschwindet, wenn die Flut ihn auf den Grund tauchen lässt.“

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Aber natürlich gab es auch dunkle Momente während seiner Reise:
Einmal wird sein kleiner 500er von vier Männern gestoppt und Gianluca befürchtet bereits das Schlimmste. Doch zum Glück wollen sich die Männer mit seinem Fiat 500 lediglich fotografieren lassen und haben keine bösen Absichten. Gianluca kann daher schnell wieder durchatmen.
Ein anderes Mal, während seiner Fahrt nach Tan Tan Plage, einem „mysteriösen Außenposten mit der Atmosphäre eines Badeortes außerhalb der Urlaubssaison“ (Originalton Gianluca), hat Gianluca das erste Mal richtig Angst. Denn die Straße auf der er fährt ist einsam, die Gegend seltsam und unheimlich. Und überall liegt dieser schreckliche Geruch von toten Tieren in der Luft.

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In Essaouira wird Gianluca dann aber für all seine Mühen belohnt, als er zum ersten Mal seit drei Wochen wieder eine Frau sieht, deren Gesicht und Beine nicht komplett bekleidet sind. Es reicht schon aus, um einen „strange effect“ auf Gianluca zu haben, wie er uns berichtet.

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