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Von Paris nach Dakar in 9 Wochen

Eigentlich hatte Burkhard Hildebrandt für 2015 seine Tour von Kapstadt nach Hameln geplant, doch Probleme bei der Sponsorensuche um die Zollkaution aufbringen zu können (EUR 10.000), machten ihm leider einen Strich durch die Rechnung. Weil seine Abenteuerlust dennoch ebenso ungebrochen ist wie sein Wunsch, zur Beendigung der Diskriminierung von HIV-Infizierten in Afrika beizutragen, hat Burkhard aus der Not eine Tugend gemacht und seine Pläne kurzerhand geändert.

Von Paris nach Dakar in 9 Wochen

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Burkhard Hildebrandt auf den Spuren der Rallye Paris-Dakar

Im Februar 2015 ging es also los, nicht von Kapstadt nach Hameln, dafür aber auf den Spuren der Rallye Paris-Dakar in den Nordwesten Afrikas. Natürlich musste „Bea“, sein kleiner gelber Fiat 500, für die anstrengende Reise fit gemacht werden. So brachte Burkhard ein zusätzliches Schutzblech unterhalb von Motor und Getriebe an, montierte einen zweiten Benzin-Tank neben dem serienmäßigen, und befestigte ein Ersatzrad auf dem Dach. Damit „Bea“ unterwegs keinen Ersatzteilmangel leiden muss, führt er diverse Verschleiß – und Wartungsteile mit sich: U.a. eine Benzinpumpe, Zündspule, Zündkerzen, Achsmanschetten, Vergaser, Luftfilter, Keilriemen, diverse Kabel, Reifen, Schläuche, Getriebeöl, Motoröl, weitere Kleinteile, Sicherungen, Kontakte usw.

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Erste Hindernisse auf dem Weg nach Dakar

Die ersten Kilometer auf den Straßen Mitteleuropas verlief die Fahrt reibungslos und „Bea“ war wie so oft ein Augenfänger. Eine Begegnung der besonderen Art hatte Burkhard dann in Frankreich mitten auf der Autobahn. Hier wurde er von unserem Newsletter-Leser und Fiat 500-Fahrer Thibault Lagardère entdeckt, der sich gerade auf der Heimfahrt befand und die Gelegenheit nutzte, Burkhard viel Glück für seine Tour zu wünschen. Die ganze Welt ist eben ein Dorf…

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Probleme gab es dann allerdings in Südspanien. Am Montag, 2. März erreichte die Firma Axel Gerstl ein dringender Notruf, denn Burkhards Lüfterrad hatte sich zerlegt und „Bea“ wartete auf einem Campingplatz bei Malaga dringend auf Ersatz. Natürlich hat das Axel Gerstl-Team sofort alles in die Wege geleitet und Burkhard per Express-Versand ein Paket mit zwei Lüfterrädern und einigen Dichtungen geschickt. Nur dreißig Stunden später sorgte die schnelle Zustellung bei Burkhard für eine freudige Überraschung. Einer Fortsetzung der Tour stand somit also nichts mehr im Wege, und die nächsten Meilen bis zur Fähre und von dort nach Afrika konnten genommen werden.

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Doch wie das Leben oft so spielt, blieb Burkhard auch in Afrika nicht von Hindernissen verschont. Mitten während der Fahrt durch Marokko hörte er plötzlich ein lautes Geräusch, das eindeutig von „Beas“ Motor kam und Anlass zur Beunruhigung gab. Aus der bangen Vermutung wurde schnell Gewissheit: Der Zylinderkopf ist durch Überhitzen an einer Stelle geschmolzen und kann so nicht mehr verwendet werden!

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Burkhards Tour endet früher als geplant

Doch wieder einmal hatte Burkhard Glück im Unglück, denn unverhofft bekam er Besuch von zwei Axel-Gerstl-Newsletter-Lesern aus Frankreich, die ihm kurzerhand einen neuen Zylinderkopf vorbeibrachten und ihm damit ein Erlebnis der ganz besonderen Art bescherten. Das ganze Axel-Gerstl-Team bedankt sich an dieser Stelle für diese außergewöhnliche Hilfe!

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Glücklicherweise traf Burkhard auf dem Zeltplatz auch einen KFZ-Meister aus Südtirol, der ihm half, den alten Zylinderkopf wieder fit zu machen. Der neue Zylinderkopf blieb daher zunächst in Reserve – auch wenn es nicht lange dauern sollte, bis Burkhard froh war, dass er ihn hatte. Denn nachdem Burkhard die Dünen endlich erreicht hatte, gab der frisch reparierte Zylinderkopf erneut seinen Geist auf. Der Einbau des neuen Zylinderkopfs, der Burkhard von seinen französischen Besuchern vorbeigebracht worden war, gestaltete sich allerdings schwieriger als zunächst gedacht, denn die Ventile lagen nur lose in einer Tüte. Doch Pech und Glück liegen oft nah beieinander und so geschah das Unglaubliche und Burkhard traf zufällig den Südtiroler wieder, der ihm bereits in Chefchaouen geholfen hatte. Mit Öl und Saharasand gelang es den beiden schließlich, eine improvisierte Schleifpaste herzustellen und so die Ventile einzuschleifen.

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Auf dem Rückweg von den Dünen Richtung Spanien ging die Pechsträhne dann weiter: Wieder gab es Probleme mit dem Zylinderkopf und Burkhard musste zwischen 500 und 600 km auf nur einem Zylinder fahren. Den kaputten Zylinder hatte er dabei mit einem Holzstück notdürftig geflickt, um zu verhindern, dass Abgas entweicht. Das bedeutete für Burkhard aber wiederum, alle 50 Kilometer an den Straßenrand fahren zu müssen, um das Holzstück, das die Strecke zuvor zu einem Klumpen Kohle geworden war, jeweils gegen ein neues auszuwechseln.

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Im Atlasgebirge war „Bea“ schließlich auf den Steigungen derart langsam, dass Burkhard auch von Fahrradfahrern überholt wurde. Einige von Ihnen boten ihm durch das offene Fahrerfenster sogar Drogen an. Burkhards Rückfrage, ob man sich hier keine Sorgen mache bezüglich HIV und Drogen, beantwortete man ihm lediglich mit: „Wir spritzen nicht – wir rauchen!“

Zurück am Campingplatz in Chefchaouen angekommen, beschloss Burkhard, den ADAC zu Hilfe zu rufen. Dank seiner ADAC Plus-Mitgliedschaft wurde „Bea“ mit einem Anhänger abgeholt und wird nun in einem Sammeltransport nach Deutschland überführt – Burkhard hingegen bekam einen Freiflug in Richtung Heimat.

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Wieder zuhause - dank ADAC Plus

Insgesamt war Burkhards Tour natürlich trotz aller schönen Erlebnisse von den technischen Problemen überschattet. Am meisten aber frustriert Burkhard dabei die Tatsache, dass er sein ursprüngliches Ziel, Krankenhäuser, Sozialstationen und Kinderdörfer zu besuchen und über HIV aufzuklären, deshalb nicht verwirklichen konnte.

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Positiv hingegen bewertet er das Feedback über diverse Social-Media-Kanäle, vor allem Facebook. Denn hier hatte sich die Geschichte seiner Tour verselbständigt und zu viel Aufmerksamkeit für ihn und seine Sache geführt. Immer, wenn er irgendwo ankam, wurde er bereits mit viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erwartet. „Bea“ wurde bei all dem Trubel förmlich zum Star, wurde bei jeder Gelegenheit fotografiert und zum Gegenstand zahlreicher Internet-Postings.

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